Die seit 2002 positive Entwicklung sowohl bei der Umsatzrendite als auch bei der Eigenkapitalausstattung im Baugewerbe und im Bauhauptgewerbe hat 2009 angehalten. Die ersten Ergebnisse der Bundesbank (Baugewerbe) und des Deutschen Sparkassen- und Giroverbandes (Bauhauptgewerbe) signalisieren für beide Kennzahlen nochmals leicht bessere Werte.
Ergebnisse zu Finanzkennzahlen im Baugewerbe bzw. Bauhauptgewerbe liegen veröffentlicht und auf Grundlage einer breiten Basis nur seitens der Deutschen Bundesbank und des Deutschen Sparkassen- und Giroverbandes (DSGV) vor.
Deutsche Bundesbank
Die mit Hilfe der Umsatzsteuerstatistik hoch gerechneten Werte für das gesamte Baugewerbe im Jahr 2009 liegen noch nicht vor; allerdings ist ein Rückgriff auf die in einer Datenbank erfassten Bilanzen von Unternehmen möglich, von denen für zwei aufeinander folgende Kalenderjahre Bilanzen vorhanden sind. Die zwei unterschiedlichen Werte für ein Jahr entstehen dadurch, dass Unternehmen aus der Statistik ausscheiden oder aber neue hinzukommen.
Die solchermaßen erfassten etwa 4.000 Unternehmen des Baugewerbes haben 2009 ihre Umsatzrendite vor Gewinnsteueren auf 3,8 % steigern können. Im Gegensatz zu den Vorjahren gab es zwischen den vier Unternehmensgrößenklassen keine großen Abweichungen, die Einzelergebnisse lagen zwischen 3,6 % und 4,4 %. Betrachtet man die Rendite nach der Rechtsform, ändert sich das Bild nur unwesentlich. Bei den Kapitalgesellschaften lag 2009 die Umsatzrendite bei 3,7 %, bei den Nichtkapitalgesellschaften bei 4,0 %. Auch innerhalb der einzelnen Größenklassen waren die Unterschiede (abgesehen von den Unternehmen mit einem Umsatz von bis zu 2 Mio. Euro) nicht signifikant.

Auch die Eigenmittel in Relation zur Bilanzsumme legten weiter zu; für die 4.032 ausgewerteten Bilanzen von 13,3 % auf 14,4 %. Auch hier war die Spreizung zwischen den vier Unternehmensgrößenklassen mit Werten von 13,5 % bis 17,0 % relativ gering.

Bei den Eigenmitteln macht sich die Rechtsform stärker bemerkbar. Tendenziell liegt über den Vergleichszeitraum die Eigenkapitalquote bei Kapitalgesellschaften deutlich höher als bei den Nichtkapitalgesellschaften. Für alle Unternehmen waren dies 2009 15,9 % im Vergleich zu 10,5 %. Vor allem bei den Unternehmen mit einem Umsatz von bis zu 50 Mio. Euro ist die Eigenkapitalquote der Kapitalgesellschaften signifikant höher.
Deutscher Sparkassen- und Giroverband (DSGV)
Der DSGV veröffentlicht auf Basis vorliegender Bilanzen Zahlen für das Bauhauptgewerbe. Von 2002 bis 2008 waren dies jeweils zwischen 8.200 und 10.200 Bilanzen. Die (noch vorläufigen) Zahlen für 2009 wurden auf der Grundlage von 7.150 Bilanzen berechnet; nach Aussage des DSGV sind die Ergebnisse allerdings belastbar und werden sich nur noch minimal ändern.
Zwischen 2000 und 2006 stieg die Vorsteuerrendite von 2,9 % auf 6,9 %; danach ging sie zwar leicht zurück, lag aber immer noch deutlich über den Werten zu Beginn des Jahrzehnts.

Geliefert werden die Ergebnisse auch nach acht Unternehmensgrößenklassen. Hierbei zeigt sich in allen Jahren von 2002 bis 2009 das gleiche Bild. Tendenziell geht mit steigender Unternehmensgrößenklasse die Umsatzrendite zurück.

Die Eigenkapitalquote im Bauhauptgewerbe hat sich nach den Zahlen des DSGV im Zeitraum 2000 bis 2009 auf nunmehr 10,9 % mehr als verdreifacht.

Die Differenzierung nach Unternehmensgrößenklassen zeigt bei der Eigenkapitalquote das bereits aus den Vorjahren bekannte Bild. Mit steigender Unternehmensgröße nimmt diese deutlich zu und liegt bei den Unternehmen mit einer Jahresbauleistung von mehr als 2,5 Mio. Euro über dem Branchendurchschnitt.

Bewertung der Ergebnisse
Bei Baufirmen kann sich die Bilanzierung erhaltener Abschlagszahlungen im Jahresabschluss verzerrend auswirken. Werden diese Abschlagszahlungen als Gegenleistung für eine erbrachte Leistung als Verbindlichkeit auf der Passivseite verbucht, führt dies zu einer Erhöhung der Bilanzsumme und damit zu einer geringeren Eigenkapitalquote. Werden die Abschlagszahlungen hingegen mit den unfertigen Bauleistungen saldiert, ergibt sich eine geringere Bilanzsumme und in Folge dessen eine höhere Eigenkapitalquote.
Sowohl die Bundesbank als auch der DSGV veröffentlichen die Branchenergebnisse auf Basis der ersten Methode, was tendenziell zu einem niedrigeren Eigenkapitalausweis für die Branche führt. Die Bundesbank begründet ihr Vorgehen damit, dass weniger als die Hälfte der ihr vorliegenden Bilanzen die nötigen Detailinformationen enthalte und aus statistischen Gründen somit die Passivierung der Abschlagszahlungen notwendig sei. Ähnlich argumentiert der DSGV. Im Rahmen einer standardisierten Zahlenaufbereitung in der Sparkassen-Finanzgruppe würden erhaltene Abschlagszahlungen - da regelmäßig nicht klar von Vorauszahlungen abgegrenzt - als Verbindlichkeit (erhaltene Anzahlung) auf der Passivseite gezeigt.
Der DSGV weist aber darauf hin, dass in der unternehmensindividuellen Beurteilung der wirtschaftlichen Verhältnisse und bei der Rating-Ermittlung empfohlen werde, zwischen Abschlags- und Vorauszahlungen zu differenzieren. Damit könne ein eventuell zu geringer Eigenkapitalausweis im jeweiligen Einzelfall korrigiert werden.
Ebenfalls nicht eindeutig ist der Ausweis der Vorsteuerrendite. Hierbei muss berücksichtigt werden, dass der Gewinn bei Einzelgesellschaften (zumeist kleinere Firmen) auch den Unternehmerlohn enthält. Dadurch wird die Umsatzrendite tendenziell zu hoch ausgewiesen. Dies ist allerdings kein spezielles Problem der Bauwirtschaft, sondern gilt auch für die anderen Wirtschaftsbereiche.
Sowohl die Unschärfen bei der Ermittlung der Eigenkapitalquote als auch der Vorsteuerrendite treten allerdings Jahr für Jahr auf, so dass die Zeitreihe in sich schlüssig ist. Auch wenn die Kennzahlen möglicherweise leicht überhöht (Vorsteuerrendite) oder aber zu niedrig (Eigenkapitalquote) ausgewiesen werden, ändert das nichts an der in der Tendenz positiven Entwicklung für das Baugewerbe im abgelaufenen Jahrzehnt.