Studie der Bundesagentur für Arbeit "Perspektive 2025: Fachkräfte für Deutschland"

Die Bundesagentur für Arbeit (BA) hat kürzlich die Publikation „Perspektive 2025: Fachkräfte für Deutschland“ veröffentlicht, um Möglichkeiten aufzuzeigen, wie eine nachhaltige und sichere Versorgung der deutschen Wirtschaft mit Fachkräften zu erreichen ist.
Die Zahl der Erwerbstätigen erreichte im vierten Quartal 2010 den höchsten Stand seit der Wiedervereinigung und die Arbeitslosigkeit den niedrigsten Stand seit 1992. Die Nachfrage nach Arbeitskräften ist weiter gestiegen. Jedoch wird das Erwerbspersonenpotential (EPP: Gesamtzahl der Personen in Deutschland, die theoretisch in der Lage sind, einer Arbeit nachzugehen) bis zum Jahr 2025 um ca. 6,5 Millionen Personen sinken und somit auch das Angebot an qualifizierten Fachkräften. Dies bedeutet, dass im Jahr 2025 nahezu 15 % weniger Arbeitskräfte als heute zur Verfügung stehen. Gemäß einem Szenario des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) wird das Erwerbspersonenpotential in Deutschland ohne Zuwanderung bei konstanter Erwerbsquote von heute knapp 45 Millionen Personen bis zum Jahr 2050 auf knapp 27 Millionen Personen sinken.

Wie es sich in den nächsten Jahren verhalten wird, zeigt die folgende Darstellung:



Es sei davon auszugehen, dass Unternehmen Ausweichstrategien entwickeln werden, wenn nicht genügend Arbeitskräfte zur Verfügung stehen. Diese könnte negative Folgen für die Volkswirtschaft Deutschlands bewirken. Mögliche Folgen könnten der Rückgang inländischer Investitionen, der Export von Kapital sowie die Verlagerung von Produktionskapazitäten ins Ausland sein.

Diese Entwicklungen müssen durch eine Vielzahl von Maßnahmen an unterschiedlichen Stellen verhindert werden. Ziel sollte hierbei sein, das EPP zu erhöhen und gleichzeitig besser auszuschöpfen. Das Fachkräfteangebot lasse sich grundsätzlich durch diese zwei Optionen steigern. Dies erfordere ein Zusammenspiel aller Arbeitsmarktakteure und Politikbereiche.

Die BA hat in einer umfassenden Analyse unterschiedliche Maßnahmen im Hinblick auf ihr Potential zur Steigerung des Fachkräfteangebots bis zum Jahr 2025 betrachtet und bewertet. Die Ergebnisse liefern keine wissenschaftlich basierten Prognosen, sondern liefern Schätzungen, um einen ersten Überblick zu geben, wo es noch ungenutzte Reserven auf dem deutschen Arbeitsmarkt gibt und wie groß diese sind.

Die folgenden zehn Handlungsfelder wurden hierbei identifiziert, um das Fachkräfteangebot zu steigern:

1. Schulabgänger ohne Abschluss reduzieren und Übergänge in den Beruf verbessern
2. Ausbildungsabbrecher reduzieren
3. Studienabbrecher reduzieren
4. Erwerbspartizipation und Lebensarbeitszeit von Menschen über 55 erhöhen
5. Erwerbspartizipation und Arbeitszeitvolumen von Frauen steigern
6. Zuwanderung von Fachkräften steuern
7. Arbeitszeit von Beschäftigten in Vollzeit steigern
8. Qualifizierung und Weiterbildung vorantreiben
9. Arbeitsmarkttransparenz erhöhen
10. Flankierende Maßnahmen im Steuer- und Abgabenbereich prüfen

Für den Erfolg dieses Gesamtmixes müssen sich auch nach Auffassung der BA neben dem Bund, den Ländern und Kommunen auch die Arbeitgeberverbände, Gewerkschaften und Betriebe engagieren. Die zehn Handlungsfelder sollen Wege aufzeigen, um den Rückgang des EPP zu verhindern und durch Qualifizierung die Gesellschaft zu stärken. Zunächst sollte diskutiert werden, was die einzelnen Handlungsfelder im Einzelnen bedeuten, um einen Konsens über Prioritäten und Vorgehensweise zu erreichen.

Die Publikation können Sie hier als pdf-Dokument laden.