Wirtschaftsforschungsinstitute: Bauaufschwung bis 2019 weiter kräftig

Die Arbeitsgemeinschaft der Wirtschaftsforschungsinstitute hat ihre Erwartungen nach oben revidiert. Für das laufende Jahr wird nun eine reale Zunahme des Bruttoinlandsproduktes von 1,9 % erwartet, 2018 und 2019 soll das Wachstum bei 2,0 bzw. 1,8 % liegen. Die realen Bauinvestitionen sollen im laufenden Jahr um 4,1 % steigen, für die beiden Folgejahre wird eine Zunahme um 2,8 bzw. 2,6 % prognostiziert.

Unter der Überschrift „Aufschwung weiter kräftig – Anspannungen nehmen zu“ konstatiert die Arbeitsgemeinschaft der Wirtschaftsforschungsinstitute in ihrem Herbstgutachten, dass die Auftriebskräfte in der deutschen Wirtschaft stärker geworden seien. In der ersten Jahreshälfte habe sich das Expansionstempo deutlich beschleunigt, die Kapazitätsauslastung sei weiter gestiegen und die gesamtwirtschaftliche Produktion übersteige das Produktionspotenzial.

Da die Konjunktur allerdings bereits seit einiger Zeit kräftig aufwärts gerichtet sei, machten sich in einigen Segmenten der Wirtschaft erste Zeichen einer Anspannung bemerkbar. Am Arbeitsmarkt habe die Zahl der gemeldeten offenen Stellen deutlich zugenommen und es dauere immer länger, bis eine solche Stelle besetzt werden könne. Vor allem in der Baubranche gäben mehr und mehr Unternehmen an, dass ein Mangel an Arbeitskräften ihre Produktion beeinträchtige. In diesem Sektor stiegen die Preise inzwischen recht kräftig.

Für die zweite Jahreshälfte erwarten die Institute eine erneut kräftige gesamtwirtschaftliche Expansion, wobei das Tempo gegenüber dem ersten Halbjahr nur leicht nachgeben dürfte. Die Einschätzung der Geschäftslage laut Ifo-Konjunkturtest befinde sich trotz eines leichten Rückgangs im August immer noch nahe am historischen Höchstwert. Für eine Fortsetzung des Aufschwungs sprächen auch die hohen Auftragsbestände in der Bauwirtschaft und der bis zum aktuellen Rand anhaltende Beschäftigungsaufbau. Zudem dürften die Exporte weiter mit hohen Raten zulegen. Die Institute erwarten nun ein reales Wachstum des Bruttoinlandproduktes im Jahr 2017 von 1,9 %, nachdem sie im Frühjahrsgutachten noch ein Wachstum von 1,5 % prognostiziert hatten.

Auch 2018 und 2019 dürfte sich der Aufschwung fortsetzten. Er stehe mittlerweile auf einer deutlich breiteren Basis als noch vor einem Jahr. Auch die Investitionen trügen nun spürbar zur gesamtwirtschaftlichen Expansion bei und es kämen weiterhin kräftige Impulse aus dem Ausland. Für das nächste und das übernächste Jahr rechnen die Institute mit einem Anstieg des Bruttoinlandsproduktes von real 2,0 bzw. 1,8 %.

Die Investitionstätigkeit komme spürbar in Gang, auch wenn die Wachstumsraten hinter den Werten früherer Hochkonjunkturen zurückblieben. Da die Kapazitätsauslastung inzwischen hoch sei, dürften die Unternehmen mehr und mehr Erweiterungsinvestitionen vornehmen, wobei die weiterhin günstigen Finanzierungsbedingungen unterstützend wirken würden. Die Wohnungsbauinvestitionen dürften jedenfalls von den anhaltend niedrigen Zinsen profitieren. Zudem habe sich hier ein beträchtlicher Auftragsbestand aufgestaut, der erst nach und nach abgearbeitet werde. Im öffentlichen Bereich dürften inzwischen die für Investitionszwecke bereitgestellten Mittel verstärkt abgerufen werden, nachdem es zuvor zu Verzögerungen gekommen sei. Dämpfend auf die Bautätigkeit dürfte allerdings zunehmend der Anstieg der Baukosten wirken.

Die Finanzlage des Staates werde sich im Prognosezeitraum weiter verbessern. Für dieses Jahr zeichne sich eine Zunahme des Budgetüberschusses auf 28 Mrd. Euro ab. Dieser dürfte im Jahr 2018 sogar auf 37 Mrd. Euro und 2019 auf 44 Mrd. Euro zunehmen. Unter diesen Voraussetzungen werde der Schuldenstand des Staates im Jahr 2019 auf 59 % in Relation zum Bruttoinlandsprodukt sinken und damit erstmals seit dem Haushaltsjahr 2002 wieder das Maastricht-Kriterium erfüllen.

Zu den Risiken für die Prognose führen die Institute aus, dass diese sich etwas gemäßigter darstellen würden als noch im Frühjahr. Maßgeblich hierfür sei das stabilere weltwirtschaftliche Umfeld. Schwer einzuschätzen sei nach wie vor die Wirkung der bereits über einen sehr langen Zeitraum expansiv ausgerichteten Geldpolitik. Bei einem schnellen Anstieg der kurzfristigen Zinsen könnten Banken unter Anpassungsdruck geraten, dies könne die Expansion in Deutschland deutlich bremsen. Allerdings könne die deutsche Wirtschaft auch kräftiger als im Gutachten prognostiziert wachsen, wenn die neue Bundesregierung Abgabenentlastungen beschlösse, was bereits kurzfristig die Nachfrage stimulieren würde.

Zwar wird die Wirtschaftspolitik der zurückliegenden Legislaturperiode als wenig wachstumsorientiert bezeichnet, die Institute heben aber hervor, dass die Konsolidierungspolitik der vergangenen Jahre die Verschuldung der öffentlichen Hand in Relation zur Wirtschaftsleistung erfolgreich zurückgeführt habe, so dass sich Deutschland derzeit als starke Volkswirtschaft mit einem handlungsfähigen Staat darstelle.

Für die Baukonjunktur rechnen die Institute mit einer äußerst robusten Entwicklung. Nach ihrer Einschätzung operiert die Bauwirtschaft derzeit an der Kapazitätsgrenze, was sich auch in deutlich steigenden Baupreisen äußere. Diese sollen im Prognosezeitraum 2017 bis 2019 um 3,1 bzw. 3,2 % anziehen.

Die Prognose der Institute für 2017 und 2018 liegt auf einer Linie mit der Einschätzung der Bauindustrie. Der Verband geht für das laufende Jahr von einem nominalen Umsatzplus von 6 % aus, real dürften es etwa 3,5 % sein. Für 2017 wird ein nominales Wachstum von 5,5 % erwartet, real etwa 2,5 bis 3,0 %. Dabei ist allerdings zu beachten, dass die Produktion des Bauhauptgewerbes vorrangig im Neubau stattfindet, während die Bauinvestitionen auch die Bestandsmaßnahmen und andere Leistungen (Zuarbeit des Verarbeitenden Gewerbes, Architektur- und Planungsleistungen, Do-It-Yourself und Schwarzarbeit) umfassen.

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