Der Sanierungsstau an Hochschulen in Niedersachsen und Bremen hat ein kritisches Ausmaß erreicht. Das ist bei einer Veranstaltung der Bauindustrie Niedersachsen-Bremen deutlich geworden. Dabei diskutierten Vertreter aus Politik, Wissenschaft und Bauindustrie über die Situation der Infrastruktur an den Hochschulen.
Jörn P. Makko, Hauptgeschäftsführer der Bauindustrie Niedersachsen-Bremen, plädierte dafür, das Thema Wissenschafts-Infrastruktur stärker in den Blick zu nehmen. „Wir können kluge Köpfe nicht in Schrottimmobilien ausbilden. Das ist ein Widerspruch in sich", sagte Makko bei der Veranstaltung im Leibnizhaus in Hannover. Die Qualität der Gebäude sei ein Standortthema und auch entscheidend im Wettbewerb um Studierende und Professoren. Es brauche auch hier eine Aufbruchstimmung.
Sanierungsstau auf über 10 Milliarden Euro angewachsen
Niedersachsens Wissenschaftsminister Falko Mohrs räumte ein, dass jahrelanges Verschieben das Problem massiv verschärft habe. „Wir haben uns lange immer irgendwie durchgemogelt", sagte Mohrs. Er geht davon aus, dass der Sanierungsstau an den Hochschulen inklusive der Universitätsmedizin inzwischen bei über 10 Milliarden Euro liegt.
Der Minister sieht den Staat in der Pflicht, jetzt zu handeln. Es gehe darum, in „bricks and brains" zu investieren und zu zeigen, dass vorhandene Mittel auch tatsächlich in Baumaßnahmen umgesetzt werden können. Als wichtiges Instrument nannte Mohrs eine stärkere dezentrale Verantwortung: Hochschulen, die selbst bauen dürfen, seien im Schnitt drei Jahre schneller als das staatliche Baumanagement.
Realismus statt Goldrandlösungen
Prof. Dr. Alexander Schmehmann, Präsident der Hochschule Osnabrück und selbst Ingenieur, plädierte für pragmatische Ansätze. Er sieht Einsparpotenziale von bis zu 20 Prozent, wenn Brandschutz- und Nachhaltigkeitsanforderungen bei Sanierungen nicht eins zu eins wie bei Neubauten angewendet würden. „Dann wird es unfassbar teuer", warnte Schmehmann und forderte eine echte Entbürokratisierung. Angesichts des demografischen Wandels müsse das Geld effizienter eingesetzt werden – gezielte Priorisierung statt Gießkanne.
Arend Bewernitz, Senatsbaudirektor in Bremen, unterstrich die historische Dringlichkeit: Viele Hochschulgebäude stammen aus den 1970er Jahren. Bei einer Nutzungsdauer von rund 60 Jahren bedeutet das – jetzt ist Sanierungszeit. „Wo ist wirklich Not?", fragte Bewernitz und mahnte zugleich, die begrenzten Kapazitäten in Planungsbüros und Verwaltungen realistisch zu berücksichtigen.
An der Veranstaltung nahmen auch Vertreterinnen und Vertreter der Universitäten Göttingen, Oldenburg, Bremen und der TU Braunschweig teil.

